Starr vorgegebene Arbeitszeiten waren früher. Wer heutzutage seinen Mitarbeitern etwas bieten möchte, setzt auf flexible Arbeitszeitmodelle. Wir erklären, warum es wichtig ist, dass sich Unternehmen mit Themen wie Arbeit 4.0 und flexibler Arbeitszeitgestaltung auseinandersetzen und welche Chancen und Risiken flexible Arbeitszeitmodelle mit sich bringen können.

Speziell gehen wir auf die Vertrauensarbeitszeit ein. Außerdem geht es darum, warum flexible Arbeitszeitmodelle veränderte Kompetenzen von Führungskräften und Mitarbeitern erfordern. Und wir berichten von einem Praxisbeispiel eines niedersächsischen Logistikunternehmens, das den Wandel vom starren zum flexiblen Arbeiten vorbildlich gemeistert hat.

Flexible Arbeitszeitmodelle – Ein neuer Trend?

Flexible Arbeitszeitmodelle dienen schon lange nicht mehr nur dem Zweck eines attraktiven Arbeitgebermarketings. Unternehmen, die sich mit dem Thema Arbeit 4.0 auseinandersetzen und mit der Zeit gehen, wissen, welche Vorteile ihnen eine flexible Arbeitszeitgestaltung bringen kann – nämlich zufriedene und selbstbestimmte Mitarbeiter. Zudem wird ohnehin der Druck von allen Seiten größer, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Qualifizierte Mitarbeiter fordern zunehmend attraktive Arbeitsbedingungen ein und Arbeitgeber befinden sich mehr denn je in der Position, auf diese Bedingungen einzugehen.

Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe an flexiblen Arbeitszeitmodellen: Gleitzeit, Home-Office, Teilzeit, Vertrauensarbeitszeit, …. Alle haben gemeinsam, dass die Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit selbstbestimmt wählen können und nicht mehr nach dem Prinzip nine to five arbeiten müssen. Die Arbeitszeit kann folglich sowohl an die betrieblichen Bedarf angepasst werden und ebenso an die Wünsche der Beschäftigten.

Die Mitarbeiter können also ihre Arbeitszeit an familiäre Gegebenheiten, private Interessen oder auch die eigene Arbeitsleistung anpassen. Gerade für Jobs, die durch die Digitalisierung, Wissensarbeit und Kreativität stark geprägt sind, gelten besondere Spielregeln. Die Mitarbeiter sind das Innovationspotential der Unternehmen. Die Soziologen Voss und Weiss nennen das Know-How der Mitarbeiter Subjektives Potential, was Kommunikation, Kreativität, Flexibilität und Sozialkompetenz umfasst. Genau auf dieses Potential sind Unternehmen angewiesen, damit sie dem starken Wettbewerbskampf in der Wirtschaft standhalten können.

Gerade Wissensarbeit oder Kopfarbeit, die viel Kreativität und Innovationskraft erfordert, kann nicht wie am Fließband und auf Knopfdruck erfolgen. Genau aus diesem Grund sollten sich Unternehmen jetzt sehr dafür einsetzen, ihren Mitarbeitern das bestmögliche Arbeitsumfeld zu schaffen.

Damit die flexible Arbeitszeitgestaltung funktioniert und sowohl Mitarbeiter als auch Unternehmen von einem solchen Modell profitieren, ist die Vereinbarkeit der Interessen von Unternehmen und Mitarbeitern wichtig. Ist dies nicht vorhanden, so kann es auf beiden Seiten zu Interessenkonflikten oder auch zu einer De-Motivation der Mitarbeiter führen und dies hat zwangsläufig immer eine Auswirkung auf die Qualität der Arbeitsergebnisse.

Wenn es also um Themen wie Arbeit 4.0 geht, ist es wichtig, beide Seiten zu betrachten: die der Mitarbeiter und des Unternehmens. Gerade bei flexiblen Arbeitszeitmodellen, die viel Vertrauen voraussetzen, ist es wichtig, dass beide Seiten von solchen Modellen profitieren.

Die Vertrauensarbeitszeit als flexibles Arbeitszeitmodell

Wie gerade schon erläutert, ist das Vertrauen die Basis für den Erfolg von flexiblen Arbeitszeitmodellen. Kontrolle und Überwachung wie zu Zeiten des Fordismus haben in der New Work Bewegung ausgedient. Die Mitarbeiter stehen für Selbstverwirklichung, Flexibilität und intrinsische Motivation. Diese Werte können jedoch am besten in flexiblen Arbeitszeitmodellen ermöglicht werden.

Als eines der flexibelsten Arbeitszeitmodelle gilt die Vertrauensarbeitszeit. Dieses Modell setzt, wie der Name schon sagt, ein großes Maß an Vertrauen voraus. Die Vertrauensarbeitszeit ist dadurch gekennzeichnet, dass der Arbeitgeber auf die Kontrolle der Einhaltung der Vertragsarbeitszeit verzichtet und darauf vertraut, dass die Mitarbeiter ihren vertraglich festgelegten Verpflichtungen ohne Kontrolle nachgehen.

Die Vertrauensarbeitszeit ist sowohl für die Unternehmen als auch für die Mitarbeiter ein großer Mehrwert: Die Beschäftigten erlangen eine neue Form der Selbstständigkeit innerhalb ihres Unternehmens. Sie werden sozusagen zum eigenen Unternehmer im Unternehmen und können ihre Arbeitskraft im Hinblick auf die Unternehmensziele selbst steuern. Die Unternehmen müssen hingegen ihre Mitarbeiter nicht mehr steuern oder kontrollieren, da diese am besten entscheiden können, wann und wie sie ihre Ergebnisse erzielen.

In der Vertrauensarbeitszeit werden die Mitarbeiter nicht mehr anhand ihrer Arbeitszeit bewertet, sondern daran, welche Ergebnisse sie erzielen. Die Unternehmen bezahlen nicht mehr dafür, dass sie ihre Arbeitszeit erfüllen, sondern dass sie Ergebnisse liefern. In einer Untersuchung der Hans Böckler Stiftung wurde herausgefunden, dass Arbeitgeber oftmals vor der Einführung der Vertrauensarbeitszeit die Befürchtung haben, dass Mitarbeiter durch den Wegfall der Kontrolle nicht mehr ihren arbeitsbezogenen Pflichten nachkommen.

Tatsächlich ist es so, dass Mitarbeiter, die in einem auf vertrauen basierendem Arbeitszeitmodell arbeiten, nicht zu wenig arbeiten, sondern zu viel. Dieses Ergebnis ist darauf zurückzuführen, dass die Leistung der Mitarbeiter nur noch anhand ihrer Ergebnisse gemessen werden.

Die Untersuchung ergab ebenfalls, dass die Vertrauensarbeitszeit nur funktioniert, wenn sowohl die Unternehmensseite als auch die Mitarbeiter einen Mehrwert von dem Arbeitszeitmodell haben, also eine Win-Win-Situation entsteht. Diese Win-Win-Situation ist unabdingbar für den Erfolg der Vertrauensarbeitszeit. Sollte eine Seite benachteiligt sein, kann dies zurück zur Kontrolle oder aber auch zum Dienst nach Vorschrift führen. Es ist wichtig, dass das Arbeitszeitmodell für beide Seiten funktioniert und gegenseitiges Vertrauen bei der Arbeitszeitgestaltung und Ergebniserzielung vorhanden ist.

Flexible Arbeitszeitmodelle – unser Fazit

Flexible Arbeitszeitmodelle sind in der heutigen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Sie sind für die Unternehmen sehr wichtig, um als attraktiver Arbeitgeber zu gelten. Sowohl Unternehmen als auch Mitarbeiter profitieren von einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung. Gerade wenn es um das Thema Digitalisierung und Kreativität geht, ist es wichtig, herkömmliche starre Arbeitszeitmodelle aufzulösen.

Die Vertrauensarbeitszeit bietet viele Chancen, aber genauso auch Risiken. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Vertrauen die Grundlage zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist und beide Seiten von dem Arbeitszeitmodell profitieren.

Lesen Sie weiter und erfahren Sie im nächsten Blog-Beitrag, welche Rolle das Thema Führung in der Vertrauensarbeitszeit hat! Wir erklären auch, welche Rolle die Führungskraft in diesem Arbeitszeitmodell einnimmt. Darüber hinaus erfahren Sie, welche besonderen Kompetenzen bei Mitarbeitern und Führungskräften wichtig sind und lerne ein Erfolgsmodell (Best Practice-Beispiel) kennen!

Karoline Heller

Karoline Heller

Karoline Heller ist Bloggerin für die Neudenkerei und beschäftigt sich vorrangig mit dem Thema Arbeit 4.0. Ihr Forschungsgebiet und ihre Leidenschaft liegen im Bereich der sich wandelnden und flexiblen Arbeitswelt. Sie hinterfragt alte Arbeitsmodelle und veraltete Denkweisen in der Berufswelt.

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Karoline Heller ist Bloggerin für die Neudenkerei und beschäftigt sich vorrangig mit dem Thema Arbeit 4.0. Ihr Forschungsgebiet und ihre Leidenschaft liegen im Bereich der sich wandelnden und flexiblen Arbeitswelt. Sie hinterfragt alte Arbeitsmodelle und veraltete Denkweisen in der Berufswelt.

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