Wie verändert Corona die Arbeitswelt? Zusammenarbeit auf Distanz

Corona verändert die Arbeitswelt tiefgreifend. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit auf virtueller Ebene und worauf sollte geachtet werden?
Zusammenarbeit

Corona stellt unsere Arbeitswelt auf den Kopf. Die aktuelle Situation macht kreativ und erfinderisch, so dass bisherige Formen der Zusammenarbeit völlig neu gedacht und gestaltet werden. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie sich die Zusammenarbeit in Corona Zeiten verändert und welche Aspekte für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von großer Bedeutung sind.

Was bedeutet Corona für die Arbeitswelt?

Es ist schon ein Jahr her als erstmals über Corona berichtet wurde. In dieser Zeit ist viel passiert: Nachdem wir den ersten Lockdown mit einem blauen Auge überstanden haben, befinden wir uns nun auch schon im Zweiten – diesmal in der Light-Version. Es ist kaum zu übersehen, dass die Pandemie alle Bereiche des menschlichen Lebens auf den Kopf stellt – vor allem auch die Arbeitswelt.

Die Veränderungen, die sich durch die derzeitige Pandemie zeigen, sind unfassbar weitreichend: In einem groß angelegten Projekt Arbeitswelt-Monitor der Universität Osnabrück und des Netzwerks der Kooperationsstellen Hochschulen – Gewerkschaften in Niedersachen und Bremen, hat sich das Team um Prof. Dr. Hajo Holst mit den Auswirkungen von Corona auf die Arbeitswelt befasst. An der Studie nahmen 11.000 Personen aus den verschiedensten Arbeitsmarktbereichen teil. Das Ergebnis der Studie zeigte, dass sich die Arbeit durch Corona für lediglich 5 % der Befragten nicht verändert hat. Fast die Hälfte der Befragten (47%) konnten ihren Arbeitsplatz ins Homeoffice verlegen und 76% waren mit dieser Möglichkeit sehr zufrieden. Außerdem wurde in der Studie herausgefunden, dass 40 % der Arbeit digitaler geworden ist. 

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Corona-Pandemie unsere Arbeitswelt fünf Jahre in die Zukunft katapultiert hat. Anfangs standen sowohl Mitarbeiter als auch Arbeitgeber dem Arbeiten im Homeoffice sehr skeptisch gegenüber. In der Krise haben sich neue Formen der virtuellen Zusammenarbeit etabliert, die sich auch als praxistauglich erwiesen haben. Die plötzliche Umstellung auf virtuelle Formate zeigt, was alles möglich ist und dass diese neue Form des Arbeitens ein Teil unserer Zukunft ist. 

Wie hat die Krise die Zusammenarbeit verändert?

Corona hat die Zusammenarbeit von Unternehmen und auch innerhalb von Unternehmen auf den Kopf gestellt. Positiv ist, dass viele Beschäftigte größtenteils ohne größeren Aufwand ihren Arbeitsplatz ins Homeoffice verlegen konnten. Gleichermaßen konnten Bürozeiten oder -plätze so organisiert werden, dass persönliche Kontakte auf ein Minimum reduziert werden. Von jetzt auf gleich hat sich der Arbeitsalltag rasant verändert. Es wird nicht im stillen Kämmerlein bzw. Homeoffice vor sich hin gearbeitet. Der komplette Arbeitsalltag spielt sich nun in den eigenen vier Wänden ab: Es finden also auch Workshops, Kundenmeetings und andere Gesprächsanlässe vor dem heimischen Bildschirm statt.

Die Not macht erfinderisch und wir haben gelernt, dass Zusammenarbeit auch gelingt, wenn nicht alle am gleichen Ort sitzen. Diese Entwicklung innerhalb kürzester Zeit ist rasant, da noch vor März 2020 sehr viel Wert auf die physische Präsenz am Arbeitsplatz gelegt wurde. Rein technisch gesehen hat dieser Wandel funktioniert. Nun ist die Frage wie es um den sozialen Aspekt der Zusammenarbeit steht?

Virtuelle Zusammenarbeit kann gelingen

Wenn Zusammenarbeit zunehmend digital und virtuell stattfindet, zieht dies auch weitreichende Veränderungen mit sich. Das mobile Arbeiten im Homeoffice stand bei vielen Mitarbeitern bereits vor der Corona Krise hoch im Kurs. Allerdings galt das Homeoffice eher als Sonder- oder Zwischenlösung, denn Innovation und Kreativität fand im Unternehmen und im persönlichen Austausch statt. Diese Situation hat sich jedoch massiv verändert, um die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter zu schützen und den Betrieb des Unternehmens sicherzustellen. Fast alle Formate des Zusammenarbeitens finden aktuell virtuell statt. 

Im Homeoffice zerfließen die Grenzen zwischem Privatem und der Arbeit. Viele Mitarbeitende sind der Meinung, dass die Arbeit von  zu Hause zu mehr Produktivität führt und mehr Zeit für Freizeitaktivitäten. Ihnen zufolge wird dort der eigene Workflow deutlich seltener von Kollegen unterbrochen und lange Arbeitswege entfallen. Auch Meetings wurden vorausschauender geplant und intensiver vorbereitet, da ein zielgerichteter  Austausch grundlegend für die virtuelle Zusammenarbeit ist. Es gibt also zahlreiche Vorteile, die diese Krise mit sich bringt. Allerdings gibt es auch noch die Aspekte der Kreativität und Innovation. Wie kreativ und innovativ sind wir also wirklich, wenn sich Zusammenarbeit nur noch virtuell abspielt?

Wie steht es nun um die Innovation und Kreativität der Unternehmen?

Hier stellt sich zuerst die Frage, an welchen Orten wir kreativ und innovativ sind? Entstehen neue Ideen lediglich in persönlichen Arbeitstreffen und Workshops? Oder sind es eher informelle Situationen, wie der morgendliche Austausch in der Kaffeeküche? 

Jutta Allmendinger sagte vor kurzer Zeit noch in einem Interview, dass die Heimarbeit ein immenser gesellschaftlicher Sprengstoff sei und alle immer mehr in Einzelgruppen zerfallen. Sportvereine, S-Bahn, Cafés oder andere Veranstaltungen sind weggebrochen, sodass man neue Menschen oder auch Horizonte kennenlernen kann. Für die Innovationskraft eines Unternehmens ist dies sehr fraglich. Ich kann mich selbst an zahlreiche Momente erinnern, wo ich im Flur oder in der Kaffeeküche mit meinen Kollegen auf gute Ideen und Lösungen gekommen bin. Oftmals findet ein kreativer Austausch gar nicht im eigenen Team, sondern mit Kollegen aus anderen Bereichen mit völlig anderen Blickwinkeln statt.

Diese zufälligen Begegnungen – sei es im Flur, in der Bahn oder im Café – fallen momentan natürlich zunehmend weg und somit auch der spontane und kreative Austausch. Umso wichtiger ist es, dass dieses feine und zwischenmenschliche, das Spontane und Intuitive, trotz Digitalisierung Beachtung und Raum findet. Der Faktor Mensch steht im Fokus der Digitalisierung und dieser ist es, der die Unternehmen nach vorne bringt und die Zukunft sichert. Aus diesem Grund ist es wichtig, den sozialen Aspekt im Folgenden näher zu beleuchten um zu veranschaulichen wie eine digitale Zusammenarbeit gelingen kann.

Was ist wichtig für eine gute Zusammenarbeit auf Distanz?

Durch Corona entfällt für viele Mitarbeiter die Wahlmöglichkeit und Freiheit selbst zu entscheiden, an welchem Ort sie arbeiten möchten. Heute leben viele Menschen ihren Büroalltag nur und ausschließlich im Homeoffice. Nicht alle Mitarbeiter begrüßen diese Situation, vielen fehlt der persönliche Austausch und die räumliche Nähe zu ihren Kollegen. Es erfordert auch sehr viel eigenverantwortliches Arbeiten und führt inzwischen häufig zu Motivationsproblemen. Sich selbst täglich aufs Neue zu motivieren und dem Arbeitsalltag eine gute Struktur zu geben, fällt nicht allen Mitarbeitenden leicht.

Aus diesem Grund ist es enorm wichtig, dass die digitale Zusammenarbeit gestärkt und unterstützt wird. Zusammenarbeit ist transparent und interaktiv zu gestalten, technische Tools bilden lediglich die Grundlage dafür. Regelmäßige Telefonate, Videokonferenzen und virtuelle Pausengespräche sind für einen intensiven Austausch wichtig, sodass ein Gefühl der Nähe und Verbundenheit entsteht. Auch Routinen spielen dabei eine wichtige Rolle: Die morgendliche Teamrunde, der tägliche Anruf bei dem Kollegen oder auch die gemeinsame virtuelle Kaffeerunde geben dem Tag einen Rahmen und unterstützen bei der Strukturierung des Arbeitsalltags.

Im Folgenden haben wir uns vier Aspekte herausgesucht, die wir als grundlegend für eine gute digitale Zusammenarbeit empfinden:

Zusammenhalt

Der für uns wichtigste Aspekt für eine gelingende digitale Zusammenarbeit ist der Zusammenhalt. Damit ist nicht nur der Zusammenhalt zwischen den Kollegen gemeint, sondern auch der Zusammenhalt mit Führungskräften und dem gesamten Unternehmen. In Krisen gilt es diesen gemeinsam anzugehen. Der eigene Arbeitsplatz ist für viele in der Lockdown-Phase ein Anker, der Sicherheit und Struktur bietet. Die Krise hat gezeigt welche Werte und Bedürfnisse besonders wichtig sind. Das gegenseitige Verständnis und die Akzeptanz wächst – sowohl auf beruflicher als auch auf privater Ebene. Wichtig ist es, das Gemeinschaftsgefühl trotz Distanz aufrecht zu erhalten und digitale Orte und Treffen zu schaffen. Anfangen kann das morgens mit einer gemeinsamen virtuellen Kaffeerunde. Es kann aber auch genauso gut ein virtueller Yogakurs im Team besucht werden oder ein Feierabendbier am Laptop getrunken werden. Regelmäßige Teammeetings oder Feedbackgespräche mit der Führungskraft sind ebenso grundlegend (mehr zum Thema Führung in dem zweiten Teil dieser Blogreihe).

Eigenverantwortlichkeit

Das permanente Homeoffice ist für viele Mitarbeiter eine echte Herausforderung, die auch zur Überforderung führen kann. Hier ist Selbstorganisation gefragt, der Tag braucht eine Struktur und eine Ergebnisorientierung. Wenn Informationen fehlen oder Hemmnisse auftreten, sind Kollegen oder die Führungskraft aktiv anzusprechen. Die digitale Zusammenarbeit erfordert mehr Eigeninitiative und eine intrinsische Motivation. Auch das hierarchische Gefüge verliert durch die Distanz zunehmend an Bedeutung, was sowohl für das Team als auch für die Führungskraft von Bedeutung sein kann. Dennoch kann der neu gewonnene Freiraum eine kreative Arbeitsatmosphäre fördern. Wichtig ist es, virtuell einen intensiven und persönlichen Austausch zu pflegen, um eine Vertrauensbasis zwischen allen Ebenen zu ermöglichen. Jeder Mitarbeiter sollte fähig sein, seine Aufgaben eigenständig zu bearbeiten. Mitarbeiter sollen auch virtuell wie ein Unternehmer agieren und eigenständig und eigenverantwortlich den Aufgabenbereich vertreten können.

Kreativität

Arbeiten auf Distanz sollte so gestaltet sein, dass es nicht als Übergangslösung angesehen wird. Fest steht, dass die Krise vorerst noch anhalten wird und digitales Zusammenarbeiten auch weiterhin im Vordergrund steht. Aus diesem Grund sollte die Zusammenarbeit so gestaltet werden, dass diese annähernd die gleiche Qualität hat, wie in den Räumlichkeiten des Unternehmens. Es soll also die Grenze zwischen digitaler und realer Welt möglichst weit aufweichen, sodass kreatives Arbeiten möglich wird. Es können ebenso digitale Kreativräume geschaffen werden, die zum Austausch und zum innovativen Denken einladen. Durch das Arbeiten auf Distanz ergeben sich nicht nur Herausforderungen sondern auch neue Chancen. Beides gilt es für sich herauszufinden, um Arbeit neu zu denken und proaktiv zu gestalten.

Flexibilität

Da in der aktuelle Krise die Trennung zwischen Arbeit und Privatleben immer mehr verwischt, sollte die Vereinbarkeit von diesen beiden Bereichen ausgebaut und unterstützt werden. Die flexible Gestaltung der Arbeitszeit kann gerade bei Herausforderungen, wie zum Beispiel der Kinderbetreuung, unterstützen. Auch ohne Corona war bereits bekannt, dass eine flexible Arbeitszeitgestaltung die Motivation und Produktivität der Mitarbeiter stärkt – dies sollte auch auf virtueller Ebene beibehalten werden. Voraussetzung für diese Flexibilität, ist eine effiziente Kommunikationsstruktur: also ein regelmäßiger und zukunftsgerichteter Austausch. Unter Flexibilität ist allerdings nicht nur die flexible Arbeitszeitgestaltung zu verstehen, sondern auch eine gewisse Flexibilität was die Zusammenarbeit und den Aufgabenbereich angeht. 

Die Auswirkungen von Corona auf die Arbeitswelt – unser Fazit

Der Arbeitsalltag gibt uns Halt und Struktur und gerade in dieser Zeit auch  Sicherheit und Beständigkeit. Die Digitalisierung, die quasi von heute auf morgen die zentrale Rolle spielte, stellt einen jeden vor neue Herausforderungen. In dieser Zeit entwickelt sich digitale Zusammenarbeit neu und dies gilt es gemeinsam proaktiv anzugehen. Digitale Zusammenarbeit sollte organisiert werden und dafür sind  Rahmenbedingungen zu schaffen. Dieser Rahmen gilt nicht nur für den Arbeitskontext, sondern auch für informelle Gespräche zwischendurch. Eine gemeinsame morgendliche Kaffeepause signalisiert Vertrautheit und  Gemeinsamkeit. Dennoch kann das Homeoffice nicht die Zukunft sein. Kreativität und Innovation findet vor allem spontan und im Miteinander statt. Die Büros bleiben der Platz der Zusammenkunft und Innovation. Unserer Meinung nach ist das Homeoffice für den Übergang oder spezifische Aufgaben sinnvoll, allerdings nicht als Dauerzustand.

Da also auch die Möglichkeiten des Homeoffice seine Grenzen haben, ist es umso wichtiger der digitalen Zusammenarbeit gemeinsame Werte zu geben. Somit haben wir vier Aspekte herausgearbeitet: Zusammenhalt, Eigenverantwortung, Flexibilität und Kreativität. Diese Aspekte bilden zentrale Erfolgsfaktoren für die Zusammenarbeit auf Distanz. Das soziale und zwischenmenschliche Miteinander gilt es in der Zeit von Distanz und virtueller Zusammenarbeit gezielt zu fördern. Die derzeitige Situation und die neue Form der Zusammenarbeit lässt uns alle wieder auf das besinnen, was wir vor der Krise als selbstverständlich wahrgenommen haben. Kreative Lösungen, Verbundenheit und Nähe sind das, was uns in dieser Krise weiter voranbringen wird. Gemeinsam können wir auch diese Zeit sinnstiftend gestalten.

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Karoline Heller

Karoline Heller ist Bloggerin für die Neudenkerei und beschäftigt sich vorrangig mit dem Thema Arbeit 4.0. Ihr Forschungsgebiet und ihre Leidenschaft liegen im Bereich der sich wandelnden und flexiblen Arbeitswelt. Sie hinterfragt alte Arbeitsmodelle und veraltete Denkweisen in der Berufswelt.

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